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| Jahresbericht 2004 |
| Nachrichten der Fledermaus-Gruppe Rheinfall FMGR 1/2005 |
Gemeinderat Uhwiesen gegen Biber
Chronologie
14.3.2005:
Anruf von C.K.: Berichtet, der Gemeindearbeiter von Uhwiesen holzt im Biber-Gebiet
und begründet dies etwa wie folgt: Man will dem Biber die Anwesenheit
vergraulen, das sei ein Beschluss des Gemeinderats.
Kommentar:
Biber sind geschützt nach
| Bundesgesetz
über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel Art. 2, Art. 7 |
Verordnung
über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel |
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Das
illegale Entfernen der Ufervegetation ermöglicht nun einen ungehinderten
Blick auf einen der verschiedenen Biber-Dämme im Bach
Bild IR 20050403-06 |
Ich rufe auf der Gemeindeverwaltung von Uhwiesen an. Der Gemeinderatsschreiber Keller weiss, dass etwas im Biber-Gebiet läuft. Auf meine Frage, ob er die Kompetenz habe, die Aktion zu stoppen, meint er, er sei ausführendes Organ und nicht Entscheidungsstelle; hier sei der Gemeinderat Müller zuständig. Ob man mit ihm schon telephoniert habe? C.K. hat es versucht, aber Müller nicht erreicht.
Ich versuche, die Leiterin von Biberschutz Schweiz, Claudine Winter, zu erreichen, erfolglos, sie ist nicht im Büro.
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Der
immer wieder gerne angerufene “Gesunde Menschenverstand” würde genügen,
um festzustellen, dass der Biber hier - aus topographischen und physikalischen
Gründen [Wasser läuft abwärts!] - die Felder links und rechts des Bachs
nicht unter Wasser setzen kann!
Bild IR 20050403-19 |
Ich versuche, die Kantonale Jagdverwaltung zu erreichen. Um 1130 ist aber die Telephonzentrale nicht mehr besetzt, eine automatische Antwort vertröstet mich auf 1330.
Um 1335 ruft C.K. wieder an, er hat inzwischen mit der Fachstelle Naturschutz (Herr Hofmann) gesprochen und erfahren, dass die Fachstelle Naturschutz für dieses Gebiet nicht zuständig ist (etwas weiter oben ist NS-Gebiet). Aber Hofmann will den Uhwieser Gemeinderat Müller anrufen und ihm sagen, dass das ganze nicht gut ist.
C.K. hat von Gemeinderat Müller erfahren, was geplant sei im Uhwieser Biber-Gebiet: Man will verhindern, dass wegen der Bautätigkeit des Biber Landwirtschaftland überflutet werde. In Jestetten in der deutschen Nachbarschaft war kürzlich eine ähnliche Situation: Ein Biber hat so gestaut, dass eine Wiese überflutete. Dann ist jemand vom amtlichen Naturschutz gekommen und hat vorgeschlagen, in die Biber-Dämme einige Zentimeter unter das zulässige maximale Stau-Niveau ein Horizontalrohr einzubauen, so dass mit diesem Rohr die maximale Stauhöhe von Menschen festgelegt wird. Nun will man in Uhwiesen das gleiche machen (und einige Dämme ganz entfernen).
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Ein
Biber-Ausstieg wie aus dem Lehrbuch. Über solche Ausstiege (links unten
im Bild), die der Biber ins Ufer gräbt, kann er bequem zwischen Wasser
und Land hin und her wechseln.
Bild IR 20050403-20 |
Kommentar: Da hat offenbar jemand die Fachliteratur nicht gelesen. Der Schwede Lars Wilsson schreibt in seinem 1966 erschienen Biber-Buch, dass Biber Experten im Erkennen von Wasserströmungen sind und jede Lücke im Damm, somit auch den Wasserstrom durch ein solches Siphon-Rohr erkennen und bei Bedarf schliessen.
Am frühen Nachmittag rufe ich nochmals in der Jagdverwaltung an und spreche mit Herrn Spörri (der Mann ist uns bekannt: siehe FlipFlop 3+4/2004, p 26) über diese Uhwieser Geschichte. Sie ist für Spörrineu, er verspricht, die Sache abzuklären.
Um 1630 informiert mich C.K., der Wildhüter Hansjörg Stefan habe sich die Sache angesehen, ebenso der Leiter der Fischzuchtanstalt Dachsen, Karl Balsiger; und sie beide haben offenbar mit dem Gemeindearbeiter von Uhwiesen, der die Sache ausführte, gesprochen und ihn darauf aufmerksam gemacht, dass so etwas verboten sei.
![]() Anfang April fand ich noch frische Nagespuren - sie lassen vermuten, dass die unerlaubten Aktivitäten der Uhwieser Behörden das Ziel, den Biber zu vertreiben, (noch?) nicht erreicht haben. Bild IR 20050403-22 |
Zwei Tage später telephoniere ich nochmals mit Spörri von der kantonalen Jagdverwaltung. Es sagt mir, die Jagdverwaltung und das AWEL Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft seien vor Ort gewesen und hätten den Verantwortlichen der Gemeinde Uhwiesen deutlich gesagt, dass keine eigenmächtige Aktionen stattfinden dürfen. Der bisherige Schaden hält sich in Grenzen.
Soweit die Chronologie.
Ich habe aus der Bevölkerung erstaunlich viele Reaktionen gehört von Leuten, die sich über das Vorgehen der Uhwieser Behörde geärgert haben ... eigentlich wäre es interessant zu erfahren, wie denn die Behörde ihr eigenes Verhalten einstuft.
| Ich schicke dieses Heft auch der Uhwieser Behörde mit der Bitte um Stellungnahme. Diese werde ich im nächsten FlipFlop abdrucken. |
Nicht
nur unbegreiflich, sondern schlicht idiotisch-dumm ist die - vorgeschobene
(?) - Angst, die Biber würden Landwirtschaftsland unter Wasser setzen.
Wenn ein Bauer so etwas von sich gibt, dann muss er wirklich riesige Kartoffeln
produzieren. Es genügt, wenn man einmal in dem Gebiet sich umschaut und
überlegt, was man selber machen müsste, um das umliegende Land unter
Wasser zu setzen.
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Matthias
Freude berichtet in seinen Buch “Tiere als Baumeister” (1982)
von einem Experiment, das zum einen zeigt, was man sich in Uhwiesen vorstellte,
und was man seit den Untersuchungen von Richard weiss,
was passieren wird ... Was wieder einmal zeigt, dass es viele Analphabeten
gibt.
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Dann
kommt noch dazu, dass man sich überlegen sollte, wozu ein Biber einen
Damm herstellt. Nicht zum Plausch, nicht weil es ihm langweilig ist, und
schon gar nicht, weil er den Uhwieser Bauern Schaden zufügen will. Nein,
ein Biber braucht einen konstanten Wasserstand, damit er unter dem Wasserspiegel
eine Höhle graben kann, die dann im Ufer nach oben, über den Wasserspiegel
führt. Im trockenen Bereich über dem Wasserspiegel, aber immer noch geschützt
in der Erde (ev unter Holzprügeln) baut er sich eine trockene Wohnhöhle.
Auf diese Weise ist der Biber mit seinen Jungen vor Raubfeinden bestens
geschützt. Wenn nun aber der Biber seinen Damm so bauen würde, dass das
Land neben dem Gewässer unter Wasser gesetzt würde, dann würde der Wasserspiegel
auch im Innern seines Baues ansteigen und seine trockene Höhle unter Wasser
setzen - das ist nicht das Ziel des Biber.
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Biber
haben gar kein Interesse, in einem nasse Bett zu schlafen!
Aus: Freude, Matthias (1982): Tiere als Baumeister. |
Am 3. April 2005 leitete ich - für pro natura - eine Biber-Spuren-Exkursion. Früher habe ich diese Exkursion jeweils bei Eglisau durchgeführt. Weil aber die Biberburg in Eglisau seit einigen Jahren nicht mehr besetzt ist und gleichzeitig praktisch vor meiner Haustür - zwischen Dachsen und Uhwiesen - haufenweise Biber-Spuren zu sehen sind, machte ich in diesem Jahr erstmals diese Exkursion hier.
![]() ein Exkursionsteilnehmer und sein Tatoo - ohne Zweifel ein Biber-Fan Bild IR 20050403-40 |
Vielleicht
müssen wir die Sache von der positiven Seite anschauen - die liebe Uhwieser
Behörde hat extra für die pro natura Exkursion so viel herausgeholzt,
dass wir freien Blick auf die Biber-Spuren hatten (noch etwas mehr, und
wir hätten einen freien Blick aufs Mittelmeer gehabt!).