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| Zusammenfassung: Der April ist die Zeit, in der Wasserfledermäuse wechseln vom Regime des Winterschlafs zu jenem der Jagdsaison. In der Region Rheinfall sind mehrheitlich Weibchen aktiv. Im April findet man aber noch mehr oder weniger regelmässig Männchen in diesem Gebiet. Es gibt Hinweise auf Paarungsaktivität, beispielsweise Haremsgruppen-Bildung und einzelne, sehr aktive Männchen. Die nächtliche Aktivitätszeit ist abhängig von der Umgebungstemperatur, bei Temperaturen unter 10 °C fliegen die Tiere nicht aus, sondern bleiben lethargisch im Tagesquartier zurück; bei Temperaturen über 10 °C fliegen sie aus, sind aber oft nur während einer Stunde aktiv. Die Ausflugszeit beginnt im April etwa 1 Stunde nach Sonnenuntergang, in der übrigen Jagdsaison fliegen die Tiere schon ab 30 min nach Sonnenuntergang aus. Im April sind Tagesquartier-Wechsel häufiger als in der übrigen Jagdsaison. |
Wasserfledermäuse, Myotis daubentonii, in Mitteleuropa überwintern in der kalten Jahreszeit. Winterquartiere sind Höhlen, Stollen, Katakomben. Sie fliegen in diese Quartiere im Herbst, zwischen Ende August und November, ein und sie verlassen die Winterquartiere im Frühling, zwischen März und Mai. Im Winterquartier finden auch die Paarungen statt (Baagøe, Degn & Nielsen 1988, Bogdanowicz 1992, Bogdanowicz & Urbanczyk 1983, Degn 1987, 1989, Degn, Andersen & Baagøe 1995, Dietz 1993, Eliassen & Egsbaek 1963, Haensel 1973, Harrje 1994, Jones & Kokurewicz 1994, Kallasch & Lehnert 1996, Klawitter 1980, Kugelschafter & Lüders 1996, Lesinski 1989, Roer & Egsbaek 1966, Urbanczyk 1989).
Die Jagdsaison dauert vom April bis Oktober. In dieser Zeit halten sich die Tiere tagsüber - in der Region Rheinfall - vor allem in hohlen Bäumen, meist hohlen Rotbuchen auf. Nachts jagen sie über offenem Wasser und im Wald. Sie fliegen auf Flugstrassen zwischen ihren Tagesquartieren und dem Jagdhabitat über Gewässern hin und her. Die individuellen Jagdgebiete über dem Rhein umfassen Flussabschnitte von 300 bis 500 Meter Länge. Verschiedene Beobachtungen lassen vermuten, dass eine Gruppe von Tieren gemeinsam im gleichen Flussabschnitt jagt und gruppenfremde Tiere solche "besetzten" Flussabschnitte meiden (Kalko & Schnitzler 1989, Rieger, Alder & Walzthöny 1992).
Im April, d.h. in der Übergangszeit zwischen Winterschlaf und Jagdsaison, richten sich die Wasserfledermäuse für die Jagdsaison ein. Möglichst detaillierte Studien zu Verhalten und Ökologie der Wasserfledermäuse im April können Hinweise liefern, wie sich die Tiere auf die Jagdsaison vorbereiten. Nachfolgend werden die Daten analysiert, welche die Fledermaus-Gruppe Rheinfall (FMGR) an Wasserfledermäusen im April sammelte.
2.1 Bestandesschätzungen
Bat Detektor-Kontrollen auf Flugstrassen: Wasserfledermäuse fliegen in der Abenddämmerung auf Flugstrassen vom Wald zum Jagdhabitat "Gewässer". Ein Beobachter, ausgerüstet mit einem Bat Detector (Mini-2 von Ultra Sound Advice; D200 von Pettersson Electronik, maximale Empfindlichkeit auf 40 kHz eingestellt), notierte zwischen 30 und 90 Minuten nach Sonnenuntergang die Vorbeiflugzeiten jeder vorbeifliegenden Fledermaus. Anstelle des menschlichen Beobachters konnte man auch das Bat Detector Signal auf Tonband oder MiniDisk aufzeichnen und später auswerten (Rieger et al. 1992, 1993).
Fixstreifen-Taxation
im Jagdhabitat "Gewässer": Ein eng gebündelter Weisslichtscheinwerfer
leuchtete im rechten Winkel zur Flussrichtung von einem Ufer zum andern.
Der Beobachter notierte jede Wasserfledermaus, die im Lichtkegel erschien
(Rieger & Walzthöny 1993).
Wir arbeiteten
mit einer Industrie-TV-Kamera (Bischke) mit infrarot-empfindlichem Bildwandler
(IR-TV). Als IR-Lichtquellen verwendeten wir Weisslichtscheinwerfer, die
wir mit einer IR-Folie abdeckten, so dass kein sichtbares Licht zu sehen
war. Wir beobachteten Wasserfledermäuse vor ihren Tagesquartieren,
indem wir den Bereich vor der Quartieröffnung mit Infrarotlicht beleuchteten
und mit der IR-TV-Kamera die Vorgänge in beleuchteten Bereich sichtbar
machten (und aufzeichneten, auf VHS- oder Hi8-Recorder).
Radiosender: Um Wasserfledermäuse zu telemetrieren, verwendeten wir in der FMGR kleinste Sender (Hersteller Biotrack, Typ SS-2 mit Thermistor, Gewicht 0.8 bis 0.85 g, Grösse 11 x 8 x 5 mm, Antenne Edelstahldraht, 15 cm lang, Montage Halsband für Halsumfang 36 mm, Frequenz 148 MHz) und montierten die Sender mit Hilfe eines Halsbandes mit Sollbruchstelle im Nacken der Tiere. Der Thermistor auf der Senderbasis übermittelte die Temperatur des Nackens / Nackenfells. Jeder neue Sender wurde für den Einsatz an Wasserfledermäusen vorbereitet: er hatte ein Celophanhalsband, eine farbige, reflektierende Folie und der Thermistor wurde kalibriert, so dass wir anhand der Impulsrate die Temperatur am Thermistor berechnen konnten.
Empfänger, Antennen: Wir empfingen die Radiosignale mit verschiedene Empfängern und 1-, 2- und 4-teiligen Antennen. Mit unseren Ausrüstungen empfingen wir die Signale aus Entfernungen von 300 bis 500 m. Bei idealen Bedingungen, d.h. bei trockener Luft und Sichtverbindung, waren Reichweiten bis 700 m (manchmal noch mehr) möglich.
Telemetrieren mit dieser Ausrüstung hatte zur Folge, dass der Beobachter praktisch immer nahe beim Tier war, so nahe, dass man aus der Signal-Richtung und -Intensität (dem geschätzten Abstand), der Geländestruktur und den Habitaten recht genau auf den Aufenthaltsort des Tiers schliessen kann.
Für die vorliegende Auswertung wurden Telemetrie-Daten aus den Monaten April in den Jahren 1992, 1993 und 1994 verwendet.
| Tier-Nummer | Sex | Telemetrie von | bis |
| 920404 | w | 21.4.1992 | 22.4.1992 |
| 920405 | m | 20.4.1992 | 29.4.1992 |
| 920406 | m | 20.4.1992 | 27.4.1992 |
| 920466 | w | 21.4.1992 | 24.4.1992 |
| 930403 | m | 26.4.1993 | 14.5.1993 |
| 930404 | w | 16.4.1993 | 11.5.1993 |
| 930405 | m | 12.4.1993 | 25.4.1993 |
| 930407 | w | 26.4.1993 | 17.5.1993 |
| 930408 | m | 26.4.1993 | 30.4.1993 |
| 940402 | w | 16.4.1994 | 9.5.1994 |
| 940404 | w | 16.4.1994 | 3.5.1994 |
| 940405 | w | 16.4.1994 | 23.4.1994 |
| 940406 | w | 24.4.1994 | 9.5.1994 |
Relative Nachtzeit: Die Nachtzeit ist die Zeit zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang. Die gesamte Nachtzeit wird als 100% angesehen. Die Relative Nachtzeit ist ein Prozentwert zwischen 0% (= Sonnenuntergang) und 100% (= Sonnenaufgang).
3.1 Bestand auf Flugstrassen und im Jagdhabitat
Im Jagdhabitat über dem
Rhein steigt der Wasserfledermaus-Bestand im April mehr oder weniger kontinuierlich
an (Rieger et al. 1992). Auf den Flugstrassen dagegen
beobachteten wir im April einen plötzlichen Anstieg in der Monatsmitte,
je nach Wetter etwas früher (Abb. 1, 1991) oder etwas später
(Abb. 1, 1990). Schlechtwetter-Einbrüche beeinflussen den Flugstrassen-Bestand
negativ (Abb. 1, 1991) (Rieger et al. 1990, 1993).
| Abb. 1: Bestandesentwicklung auf einigen Flugstrassen: Anzahl Tiere, die in der Abenddämmerung (zwischen 30 und 90 min nach Sonnenuntergang) auf einer Flugstrasse (SD 3, SD7, SD9, SF4 - Messpunkte SD340, SD720, SD920, SF420) im April (1990 bis 1992) zwischen Tag 91 und Tag 124 (1. April bis 5 Mai) vorbeiflogen. |
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Im April kehrten die Tiere sehr viel früher in der Nacht ins Quartier zurück als im Sommer. Im Sommer gilt die Regel: Quartier-Ausflug zwischen 30 und 90 min nach Sonnenuntergang und Quartier-Einflug zwischen 30 und 90 min vor Sonnenaufgang (Abb. 3). Im April flogen die Tiere zur Regelzeit aus (30 bis 90 min nach Sonnenuntergang- Abb. 2), kehrten aber oft schon nach einer Stunde wieder zurück.
| Abb. 2: Aufenthalt von radiomakierten Wasserfledermäusen nachts im Tagesquartier im April (Beobachtungsbeginn ab SU Sonnenuntergang) |
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| Abb. 3: Aufenthalt von radiomakierten Wasserfledermäusen nachts im Tagesquartier im Juli (Beobachtungsbeginn ab SU Sonnenuntergang) |
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Im April sind Wasserfledermäuse
tagsüber meist lethargisch und haben eine Körpertemperatur, die
etwa der Umgebungstemperatur entspricht. Wenn die Tiere in der Abenddämmerung,
in der Regel etwa 60 min nach Sonnenuntergang, ausfliegen, dann "heizen
sie sich innert rund 10 bis 30 Minuten auf" (Abb. 4).
| Abb. 4: Nackenfell-Temperaturkurven (Daten von Thermistor im Telemetrie-Sender) von Wasserfledermaus-Männchen (ausgezogene Linie) und -Weibchen (gestrichelte Linie) in den ersten zwei Stunden nach Sonnenuntergang im April 1992, 1993 und 1994; von Tieren, die sich im Baumhöhlen-Quartier aufhalten.. Lufttemperatur (punktierte Linie; Daten von SMA meteo Schweiz; Messstation Neuhausen). Animierte Darstellung. |
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Im April dokumentierten wir
parallel zu Telemetrie-Untersuchungen die Vorgänge vor einem Tagesquartier,
in welchem sich zeitweise auch eines der radiomarkierten Tiere aufhielt
(Abb. 5). Dazu setzten wir eine infrarot-empfindliche TV-Kamera ein.
| Abb. 5: Verhalten von Wasserfledermäusen in 3 April-Nächten an Quartier QB202 (Daten mit Infrarot-TV erhoben) |
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Während der Kontrolldauer (je Nacht etwa von 2000 h MESZ bis 0230 h MESZ) waren immer wieder Wasserfledermäuse am und im Quartier QB202 aktiv (Wir nehmen an, dass es sich hier um Wasserfledermäuse handelte, weil wir an diesem Quartier bis jetzt ausschliesslich Wasserfledermäuse fingen, weil das Ultraschall-Signal auf dem Bat Detector sich nicht von Ultraschall-Signalen, die mit Sicherheit von Wasserfledermäusen stammen, unterscheiden liess und weil wir auf der IR-TV-Aufzeichnung auch einmal den Telemetrie-Sender einer radiomarkierten Wasserfledermaus deutlich sahen). Zwischen 0% Relative Nachtzeit (Sonnenuntergang SU um 2022 MESZ) und 65% Relative Nachtzeit (etwa 3.5 h vor Sonnenaufgang SA (0729 MESZ)) flogen Fledermäuse mehrmals aus und ein. In einigen Fällen gingen dem Quartiereinflug Vorbereitungsverhalten (Passage, Spitzkehre, Hänger, Rieger & Alder 1994) voraus, in andern Fällen flog eine Fledermaus direkt, ohne sichtbare Vorbereitungsverhalten ins Quartier ein. In der dritten Nacht sass eine Hornisse, Vespa crabo, in der Quartieröffnung. Es ist möglich, dass die Tiere, die in der zweiten Hälfte dieser Beobachtungsnacht Einflug-Vorbereitungsverhalten zeigten, wegen diesem wehrhaften Insekt aber nicht einflogen.
Im April hielten sich einzelne
Tiere am gleichen Tag, genauer in der gleichen Nacht, mehr oder weniger
lang in verschiedenen Tagesquartieren auf, so dass Aufenthaltsdauern in
einem Quartier von der Dauer 0 Tage möglich sind. Ein Drittel aller
Quartierwechsel im April fanden an einem Tag statt, an dem das Tier schon
einmal von einem Quartier in ein anderes wechselte. Im April wechselten
verschiedene radiomarkierte Tiere innert einer Nacht bis zu drei Mal das
Quartier. Im Sommer stellen Quartieraufenthalte mit einer Dauer "0 Tage"
nur einen Zehntel aller Quartieraufenthalte dar.
| Abb. 6: Im April wechselten 8 radiomarkierte Tiere im Mittel nach 1.4 Tagen das Tagesquartier: |
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| Abb. 7: Im Mai - Juni wechselten radiomarkierte Wasserfledermäuse im Durchschnitt nach 2.6 Tagen das Quartier. |
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| Abb. 8: Im Juli und August wechselten 6 radiomarkierte Tiere im Durchschnitt nach 2.7 Tagen das Tagesquartier: |
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In unserem Untersuchungsgebiet
n de Region Rheinfall halten sich vorwiegend Weibchen mit ihren Jungen
auf; die Männchen sind nur im April und in einer kurzen Zeit Ende
Juli / Anfang August in unserer Region anwesend. Im April 1992 wurde ein
Männchen (920406) mit einem Radiotelemetrie-Sender markiert, das uns
zeigt, wohin Männchen im Lauf des April ausweichen können: Dieses
Tier 920406 wechselte vom Baumhöhlen-Quartieren im Wald östlich
von Schaffhausen in ein Dehnungsfuge der Strassenbrücke, die in Schaffhausen
über den Rhein führt.
| Abb. 9: Karte der Region Schaffhausen - Büsingen (Koordinaten Landeskarte Schweiz 689/280 bis 696/285.5). hellblau: Siedlungsgebiet, grau: Wald, braun: Rhein, blaue Linien: Wasserfledermaus - Flugstrassen; Schwarz: mit Telemetrie nachgewiesene Aufenthaltsorte einer Wasserfledermaus. Animierte Darstellung |
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Im weiteren zeigen diese Home Range Karten von im April radiomarkierten Wasserfledermäusen das gleiche Bild wie Tiere, die zu andern Jahreszeiten telemetriert wurden: ein Individuum benutzt nur Tagesquartieren in einem einzigen Wald (Ausnahme 920404: das aber nur wenige Tage telemetriert werden könnte), die individuellen Jagdbereiche über dem Rhein sind teilweise erstaunlich weit von den Tagesquartieren entfernt.
Paarungen: Zweimal erhielten
wir vom Weibchen #940402 ungewöhnliche Telemetrie-Signale: Das Tier
war an zwei aufeinanderfolgenden Abenden zur praktisch gleichen Zeit im
gleichen Quartier JB402, die Nackenfell-Temperatur schwankte innerhalb
10 Minuten auffallend stark (Abb. 10) und gleichzeitig veränderte
der Sendeton dauernd seine Tonhöhe ("beep -> blop -> beep ...").
| Abb. 10: Nackenfell-Temperatur eines Wasserfledermaus-Weibchens - ev. während einer Kopulation |
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Die Annahme, Weibchen #940402 kopulierte während dieser Zeit, würde die ungewöhnlichen Telemetrie-Signale erklären: Die Kopulationen fanden in einem Quartier statt, das kopulierende Männchen presste mehr oder weniger stark gegen den Telemetrie-Sender im Nacken des Weibchen, der Thermistor (Wärmesensor an der Basis des Telemetrie-Senders) registrierte während der Paarung die Temperatur zwischen der Bauchseite des Männchens und dem Rücken / Nacken des Weibchens.
Eine detaillierte
Beschreibung von Wasserfledermaus-Kopulationen ist uns nicht zugänglich.
Für die nah verwandte Myotis lucifugus erwähnen Barclay
& Thomas (1979) Kopulationsdauern von 5 bis 10
min; für das Mausohr Myotis myotis geben Zahn & Dippel
(1997)
Kopulationsdauern von 10 bis 30 min an. Somit ist die Vermutung nicht abwegig,
dass die in Zusammenhang mit Abb. 10 beschriebenen Telemetrie-Signale auf
eine Paarung hinweisen.
Haremsgruppen:
Am 29. April 1993, beim Versuch, das radio-markierte Wasserfledermaus-Männchen
930403 erneut zu fangen, um ihm den Radiotelemetrie-Sender abzunehmen,
fingen wir am Quartier QS713 (einem Baumhöhlen-Quartier in einer Rotbuche,
Typ-A-Quartier
nach Rieger 1996b) 37 Wasserfledermaus-Weibchen (und 7 Abendsegler-Männchen
und 5 Abendsegler-Weibchen). Das radio-markierte Tier konnte entweichen;
wir fingen es einen halben Monat später am gleichen Baum, in dem es
zu diesem Zeitpunkt mit Sicherheit andere Wasserfledermäuse hatte,
die wir aber nicht fingen, weil wir uns voll auf den Wiederfang des Männchens
930403 konzentrierten.
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Wir nehmen an, dass die Wasserfledermäuse, die wir mit IR-TV beobachteten an einem Baumhöhlen-Quartier im Wald nördlich von Büsingen (Abb. 5) ebenfalls Männchen waren wie das zur Beobachtungszeit und im Beobachtungsgebiet radiotelemetrierte Tier 930405. Diese Individuen waren tagsüber praktisch immer allein in einem Tagesquartier. Nachts besuchten sie mal dieses, mal jenes Quartier in diesem Wald; zudem wechselten sie das Tagesquartier beinahe täglich (Tab.). |
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4.1 Beginn der Jagdsaison
Im ausgesprochen milden Winter 1989 / 1990 beobachteten wir schon im Februar die ersten Wasserfledermäuse abends über dem Rhein (zwischen Rheinfall und Rheinau). Nach "normalen" Wintern erscheinen die Wasserfledermäuse Anfang April erstmals im Jagdhabitat (Rieger et al. 1992).
Als Faustregel gilt - für die Region Rheinfall, dass Wasserfledermäuse zwischen 30 und 90 Minuten nach Sonnenuntergang das Tagesquartier verlassen und sofort in Jagdhabitat über dem Rhein fliegen (Rieger & Alder 1993, 1994), Rieger 1996b). Diese Faustregel gibt etwa von Mai bis September. Im April werden Wasserfledermäuse abends etwas später aktiv. Die Nackenfell-Temperaturen steigen etwa 1 Stunde nach Sonnenuntergang vom Ruhe-Temperatur-Level auf den Aktiv-Temperatur-Level (Abb. 4).
Abb. 4. zeigt auch, dass Wasserfledermäuse (im April) nur das Tagesquartier verlassen, wenn die Umgebungstemperatur mindestens 10 °C ist. Bei tieferen Temperaturen bleiben die Tiere den ganzen Tag über lethargisch.
Zwischen Mai und September sind die Wasserfledermäuse in unserem Untersuchungsgebiet am Rheinfall ab etwa 30 bis 90 min nach Sonnenuntergang im Jagdhabitat über dem Rhein und sie verlassen das Jagdhabitat etwa 90 bis 30 min vor Sonnenaufgang (Rieger 1996d). Im April dagegen sind Wasserfledermäuse nachts oft nur während etwa 1 Stunde ausserhalb ihres Tagesquartiers (Abb. 2, 5)
Bei Beobachtungen im Feld kommt immer wieder der Eindruck auf, Wasserfledermäuse würde das Tagesquartier wechseln bei Beginn einer Schlechtwetter-Periode. Statistische Auswertungen dieser vermuteten Relation liegen bisher nicht vor. Offensichtlich ist aber, dass Wasserfledermäuse im April häufiger das Quartier wechseln als im Sommer. Dies könnte ein Spiegel der saisonalen Wetterverhältnisse sein: im April sind Schlechtwetter-Perioden häufiger als im Sommer.
Die vergleichsweise häufigen Quartierwechsel finden unabhängig von Wetterverhältnissen statt. Dies zeigten beispielsweise die IR-TV-Einsätze, die wir nur bei trockenem Wetter machten (Abb. 5).
Aus verhaltensökologischer Sicht kann eine Wasserfledermaus in einer Phase mit vielen Quartierwechseln viele Sozialkontakte pflegen, ideale Sozialpartner und / oder Kopulationspartner suchen
Detaillierte Verhaltensbeobachtungen an Wasserfledermäusen fehlen. Im Moment können wir nur anhand von aus ethologischer Sicht wenig präzisen etho-ökologischen Studien Vermutungen über Verhaltensabläufe machen: Im April finden wir im Verhalten der Wasserfledermäuse Hinweise auf Haremsgruppen-Bildung - ein Männchen fanden wir zusammen mit beinahe 40 Weibchen, andere Männchen waren allein in Baumhöhlen (und hatten eventuell nicht das Glück, Weibchen anzulocken).
In der Wasserfledermaus-Literatur findet man verschiedene Hinweise darauf, dass im Sommer sich die Männchen nicht im gleichen Gebiet aufhalten wie die Weibchen. Grundsätzlich sind die Weibchen in - höchstwahrscheinlich - günstigeren Lebensräumen als die Männchen. Die Männchen sind eher in höher gelegenen Bereichen und an Bächen, die Weibchen sind eher in tiefer gelegenen Lebensräumen und an Flüssen oder Seen (Altringham, Waters, Warren & Bullock 1998, Dietz 1998, Encarnação & Dietz 2000, Encarnaçâo 2001, Geiger 1992, Gorissen 1993, Leuzinger & Brossard 1994, Magnin 1991, Warren, Waters, Bullock & Altringham 1997).
Was aber absolut
fehlt sind Angaben, wie es zu dieser räumlichen Trennung kommt, denn
im April sind die Geschlechter - wenigstens teilweise - noch zusammen.
^
Altringham, John, Dean Waters, Ruth Warren & David Bullock (1998): Managing river catchments for Daubenton's bats - catering for "Two-pools Eddy". Bat News 48, 2-3
Baagøe, H. J., H. J. Degn & P. Nielsen (1988): Departure dynamics of Myotis daubentoni (Chiroptera) leaving a large hibernaculum. Videnskabelige Meddelelser Danks Naturhistorisk Forening 147, 7-24.
BARCLAY, Robert M. R. & Donald W. THOMAS (1979): Copulation Call of Myotis lucifugus: A Discrete Situation-specific Communication Signal. J. Mamm. 60, 632-634.
Bogdanowicz, Wieslaw (1992): Sexual dimorphism in size of the skull in European Myotis daubentoni (Mammalia: Chiroptera). In: Horacek, Ivan & Vladimir Vohralik (eds): Prague Studies in Mammalogy, Charles Univ., Prague, 17-25.
Bogdanowicz, Wieslaw & Zbigniew Urbanczyk (1983): Some Ecological Aspects of Bats Hibernating in City of Poznan. Acta Theriologica 28, 371-385.
Degn, H. J., B. B. Andersen & H. Baagøe (1995): Automatic registration of bat activity through the year at Mønsted Limestone Mine, Denmark. Z. Säugetierkunde 60, 129-135.
Degn, Hans Jørgen (1987): Bat Counts in Mønsted Limestone Cave During the Year. Myotis 25, 85-90.
Dietz, Markus (1993): Beobachtungen zur Lebensraumnutzung der Wasserfledermaus (Myotis daubentoni, KUHL, 1819) in einem urbanen Untersuchungsgebiet in Mittelhessen. Diplomarbeit, Justus-Liebig-Universität, Giessen, 93 pp.
Dietz, Markus (1998): Habitatansprüche ausgewählter Fledermausarten und mögliche Schutzaspekte; in: Fledermäuse - bedrohte Navigatoren der Nacht. Beiträge der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg Band 26 (1998). Schwäbische Druckerei, Stuttgart, 184 pp. (Tagungsdokumentation des internationalen Fledermauskolloquiums am 26./27. Juni 1997), 27-57.
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Encarnação, J. A. & M. Dietz (2000). Zur Populationsdynamik männlicher Wasserfledermäuse (Myotis daubentoni Kuhl, 1819) im Sommerhabitat. Z. Säugetierk 65, Sonderheft, 16-17.
Encarnaçâo, Jorge A. (2001): Untersuchungen zur Ökologie männlicher Wasserfledermäuse (Myotis daubentonii, Kuhl 1819) in Teilbereich des Giessener Lahntals. Diplomarbeit.
Geiger, Hartmut (1992): Untersuchungen zur Populationsdichte der Wasserfledermaus (Myotis daubentoni Kuhl, 1819) im mittelfränkischen Teichgebiet. Diplomarbeit, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, 119 pp.
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